Kirche Nöbdenitz
Die inmitten des Rittergutes und der Pfarrei
liegende, nahe an der Schule befindliche und von dem Gottesacker umgebene Kirche
in Nöbdenitz, hat jedenfalls ein hohes Alter und obschon die Zeit ihrer Gründung
nicht ermittelt werden kann, so weiß man doch so viel gewiß, daß sie lange vor
der Reformation von dem Kloster Bosau bei Zeitz erbaut, und Marien, oder unserer
lieben Frauen, deren Bildnis in derselben aufbewahrt wird, gewidmet gewesen ist.
Den gegenwärtigen ansehnlichen Turm mit Knopf und Fahne bekam diese Kirche erst
im Jahre 1685, doch mußte schon 1748 an demselben eine bedeutende Reparatur
unternommen werden. Glocken sind auf ihm jetzt nur noch zwei befindlich, ehemals
aber waren drei auf demselben, wovon die größere, weil ihr weiterer Mitgebrauch
dem Kirchturm Gefahr zu bringen drohte, abgenommen und an die Kirche
Vollmershain verkauft wurde. An der gegenwärtigen großen Glocke ist zu lesen:
Matthäus, Marcus, Lucas, Maria
Und an der kleinen:
In dein billen heb die alle Ding an, Jesu Christ, Maria
funi
Eine
Jahrzahl aber ist dabei nicht bemerkt. Eine Turmuhr erhielt die Kirche 1770
durch mildtätige Fürsorge der damaligen Gutsherrschaft.
Das Innere der Kirche
ist geräumig, hell und freundlich und hat zwei den Gutsherrschaften von
Nöbdenitz und Posterstein zugehörige Kapellen, aber nur eine Emporkirche, auf
deren Mitte zugleich die Orgel und das Sängerchor mit befindlich ist, und auf
welcher dadurch die Zahl der Männersitze mit der Zunahme der Ortsbewohner sich
immer mehr beschränkt. Eine Orgel hat die Kirche erst im Jahre 1754, auf
Anregung und tätige Mitwirkung der damaligen Gutsherrschaft erhalten, welche
hierzu ein Geschenk von 100 Thalern erlegte. Sie ist von dem Orgelbaumeister
Friederici in Gera erbaut und hat zwölf gangbare Register und einen, dem Raum
der Kirche angemessenen, ziemlich starken, hellen und wohlklingenden Ton. Eine
neuen Kanzel- und Altarbekleidung erhielt die Kirche 1834 als freiwilliges
Geschenk der verstorbenen Geheimen Rätin v. Thümmel.
Der Kapitalstock der
Kirche betrug 1841 die Summe von 1379 Thaler, außer diesem Geldvermögen gehören
derselben auch einige Grundbesitzungen zu, welche zusammen über 3 Acker betragen
und in Beidigt, Busch- und Nadelholz bestehen, namentlich in einem größeren
Holzstück, welches das große Heiligenholz heißt.
Übrigens sind in den Zeiten
des Papsttums zu Nöbdenitz entweder zwei Kirchen zugleich vorhanden gewesen,
oder es ist statt der anderen außerhalb des Ortes befindlich gewesenen und etwa
sehr baufällig gewordenen Kirche, die gegenwärtige erbaut worden. Denn nach
einer Nachricht im hiesigen Pfarrarchiv hat man bald nach der Reformation jene,
die wüste Kirche genannt, welche nebst einem Kloster befindlich gewesen ist,
eingehen lassen und späterhin völlig abgetragen. Auch ist noch zu bemerken, daß
zur hiesigen Hauptkirche in jenen Zeiten, wo Nöbdenitz eine der weitläufigsten
Parochien war, die Filiale Wettelswalde, Jonaswalde, Mennsdorf und Vollmershain
gehörten, welche aber nach der Reformation wegen der Unmöglichkeit, stets hierzu
die nötigen Pfarrvikare und Altaristen zu haben und solche hinlänglich zu
besolden, von dem Pleban allhier freiwillig abgegeben und an andere benachbarte
Mutterkirchen als Filiale überwiesen wurden, so daß daher 1533 Wettelswalde zu
Thonhausen, Jonaswalde zu Nischwitz und Mennsdorf zu Paiztdorf kam. Nur das
Filial Vollmershain wurde nach dieser Abänderung noch einige Zeit durch den
Bikar des hiesigen Pleban versehen und die Mutterkirche Nöbdenitz von den
Einwohnern zu Vollmershain als Filialisten abwechselnd besucht. Dies geschah
jedoch nur noch bis 1574, wo nach einem zwischen Cäsar Pflugk zum Posterstein
und Wolffen v. Weißbach aus Vollmershain abgeschlossen und mit einem Bericht
nach Weimar zur Konfirmation übersendeten Verträge am 4. Adventsonntag, diese
Filialkirche vom damaligen Pfarrer zu Weißbach, Georg Huttelius, feierlich
übernommen und von ihm in ihr als der neuen Tochterkirche der erste Gottesdienst
gehalten wurde. Da nun hiermit von der Parochie Nöbdenitz die bisherigen
sämtlichen Filiale auf immer weggefallen waren, so suchte bald darauf Tham
Pflugk zum Stein, seine dasige Kapelle zu einer hiesigen neuen Filialkirche zu
machen und vermittelte es 1578, daß seit dieser Zeit Posterstein das Filial von
Nöbdenitz wurde.
Auszug aus Kirchen - Galerie des Herzogtums
Sachsen-Altenburg