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Am 6. März 1872, nachmittags 4 Uhr, wurde im ganzen Ortskreis des
Herzogtums Sachsen - Altenburg und weit darüber hinaus ein starker
Erdstoß wahrgenommen. Der damalige Pfarrer Johann Michael Nürnberger zu
Nöbdenitz schrieb in die Kirchchronik:
„Ich saß in der oberen Wohnstube,
der Himmel war wolkenlos bei hellem Sonnenschein. Ich las gerade die
Zeitung, als der Erdstoß erfolgte. Ich bekam einen heftigen Ruck auf
meinem Stuhle, hörte ein Geprassel auf dem Oberboden der Pfarrei und
glaubte, das Dach wäre zusammengebrochen. Ich stand schnell auf und eilte,
vorsichtig nach der Stubendecke sehend, hinaus auf den Vorsaal, wo mir
unsere Magd, zitternd vom Boden kommend, begegnete. Wir gingen schnell
hinunter in den Hof, wo Christian Kirsche unter der Toreinfahrt arbeitete.
Er hatte geglaubt, die Pfarrscheune breche zusammen. Mit ihm ging ich
vorsichtig auf den Pfarrboden, aber da war alles noch in guter Ordnung.
Im Dorfe liefen von allen Seiten die Leute aus den Häusern und erzählten,
wie sie vor Angst die Häuser eilig verlassen hatten. Die Bäume hätten
geschwankt, und auf der Straße hätten sie ein Gerassel gehört, als wenn 6
bis 8 schwerbeladene Wagen im Trab vorbeiführen. Im Ort sind 7 Feueressen
eingestürzt. Das Ereignis bildete noch lange den Gegenstand der
gegenseitigem Mitteilungen.“
Nach wissenschaftlichen Feststellungen lag das Epizentrum des Erdbebens im
geologischen Bruchfeld von Posterstein. Die geologischen Verhältnisse in
der Umgebung von Posterstein sind außerordentlich kompliziert, denn hier
verlaufen Verwerfungszonen durch das Gebiet, so dass die Schichtenserien
von Silur, Devon und Kulm stark gestört sind. Dazu kommen noch vulkanische
Durchbrüche von Porphyr, Diabas und Melaphyr.
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