|
Im Volksmund wird sie die
„Tausendjährige“ genannt; im Guinnessbuch der Rekorde wird sie als die älteste
Stieleiche Europas geführt. Der Baum ist eine Stieleiche (Quercus robur), sie
ist innen vollkommen hohl und gehörte früher zum Besitz der Nöbdenitzer Pfarrei.
In einem alten Kirchenbuch vom Jahre 1598 machte der damalige Pfarrer folgenden
Vermerk: „Ein hohler Eichenbaum, stammet noch aus heidnischer Zeit“ . Er wird
wohl noch aus dem finsteren Urwald (Miriquidi) südlich der Gaue Plisni und
Geraha als letzter Baum übriggeblieben sein. Bei einem Gewittersturm 1819 verlor
die Eiche die Baumkrone und mehrere starke Äste. Über dem Boden beträgt ihr
Umfang 12,5 m.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts
heiratete Hans Wilhelm von Thümmel die Besitzerin der Rittergüter Nöbdenitz und
Untschen, Charlotte von Rothkirch -Trach. Der Geheimrat und Minister v. Thümmel
war ein sehr kluger Mann, aber auch Romantiker. Er legte in Altenburg einen
wunderschönen Gartenpark an. In Nöbdenitz und Untschen entstanden ebenfalls
Parkanlagen, die alle viel Geld kosteten. Dadurch kam es manchmal zu
Auseinandersetzungen. Bei einem solchen Ehestreit soll ihm seine Frau gesagt
haben, ihm gehöre in Nöbdenitz nicht einmal so viel Land, als er zu einer
Grabstätte brauche.
Darauf eilte er zum Dorfpfarrer,
kaufte von der Pfarrei den uralten Eichbaum und bestimmte, ihn als seine
Grabstätte zu nutzen. Als der Minister am 1. März 1824 in Altenburg starb, wurde
er im hohlen Stamm in einer ausgemauerten Gruft, auf einer Moosbank liegend,
beigesetzt. Drei schwere Steinplatten verschließen das Grab.
Darüber musste eine 30 cm starke
Löschkalkschicht aufgebracht werden, „wegen der gefährlichen Ausdünstungen des
Leichnams so nahe am Fahrweg“. Der Hohlraum im Inneren des Baumes war mit einer
Bank ausgestattet und wurde als Andachtsort benutzt. Eine eiserne Gittertüre
verschloss die Begräbnisstätte und ein Lattenzaun mit Sandsteinsäulen umfriedete
den uralten Baumriesen. Man erzählte sich im Dorf lange Zeit seltsame Dinge, der
Tote würde auf einem Stuhl eingemauert sitzen, ja, man zweifelte sogar an dem
Toten in der Eiche.
So begeisterte Ernst Bräunlich,
langjähriger Lehrer an unserer Schule und heute noch im hohen Alter ein äußerst
rühriger Heimatforscher, seine Schüler, endlich das Geheimnis des Baumes zu
erkunden. Sie entfernten den Mulm und die Erde, entfernten die Kalkschicht und
stießen rasch auf die Steinplatten. Als die restliche Erde entfernt war, zeigte
sich ein Spalt. Mit einer Taschenlampe wurde das Innere der Gruft, ausgeleuchtet
und sie erblickten die sterblichen Überreste, das Skelett des Ministers. Er
liegt also noch friedlich ausgestreckt auf der „Moosbank“, dem Unterteil des
Sarges.
Der uralte Eichbaum wird durch
Eisenringe zusammengehalten, damit der Sturmwind ihn nicht auseinanderreißen
kann. Uralte Lebenskraft steckt noch immer in dem Baumriesen, er grünt jedes
Jahr, blüht und hängt im Herbst voller langstieliger Eicheln. |