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Die
Schusterwerkstatt Hofmann in Nöbdenitz
Heute möchte ich über die alte Schusterwerkstatt in Nöbdenitz berichten,
die nach dem 1. Weltkrieg von Hermann Hofmann gegründet und die von seinem
Enkel Rudolf Hofmann bis 1992 betrieben wurde. Wie gerne bin ich als Kind
in diese Werkstatt gegangen, wo es doch dort immer so gut nach Leder und
nach Leim roch und der Schuster immer so freundlich war. Um etwas mehr
über diesen Familienbetrieb erfahren zu können, unterhielt ich mich mit
dem Enkel des Gründers der Schusterwerkstatt, Ullrich Hofmann, der 1943 im
Betrieb seiner Familie die Schusterlehre und dann später auch seinen
Meister machte und dort bis 1958 arbeitete. Nachdem Hermann Hofmanns drei
Söhne Alfred, Paul und Arndt aus dem Krieg kamen, wurde die Werkstatt
verändert. Alfred, welcher der einzigste Schuhmachermeister unter den
Brüdern war, baute daraus eine Reparaturwerkstatt mit Maßschuhanfertigung.
Seine Brüder Paul und Arndt übernahmen den Schuhhandel. In den Zwanziger
Jahren wurde dieser mit einem Hundegespann betrieben, später dann mit
einem Pferdewagen und Anfang der Dreißiger Jahre mit einem Lieferwagen.
Dieses Auto wurde in den ersten Jahren des 2. Weltkrieges von der
Wehrmacht beschlagnahmt. Der Name des Betriebes wurde Anfang der Zwanziger
Jahre auf „ Hermann Hofmann & Söhne " umgewandelt. Die Schusterbrüder
suchten ihre Kundschaft in Dörfern des Altenburger - aber auch Teile des
Geraer Landes auf. Die Hauptproduktion der Schusterwerkstatt bildete
damals die Anfertigung von Holzpantoffeln und Holzschuhen. Diese waren
damals in der Landwirtschaft sehr gefragt. Kundschaft waren vor allem die
Knechte und Mägde auf den Bauernhöfen, aber auch die Bauersleute selbst.
Und so fuhren Paul und Arndt Hofmann regelmäßig ihren Touren ab. Morgens
9.00 Uhr ging die Fahrt los und abends, spätestens 20. 00 Uhr, waren die
Männer wieder Zuhause. Das Auto wurde voll mit neuen Schuhen gepackt und
los ging die Fahrt. Natürlich wurden von der Kundschaft nicht nur neue
Schuhe gekauft, sondern auch welche mit zur Reparatur gegeben. Ja - und
wie sah damals der Arbeitstag in der Schusterwerkstatt aus. Die
Arbeitszeit ging von früh Uhr 7.00 Uhr, mit einer Mittagspause, bis abends
18.00 Uhr. Samstags wurde, wie es damals halt so üblich war, auch
gearbeitet und das bis abends. Teilweise haben in der Werkstatt drei bis
vier Mann gearbeitet. Während des Krieges hatte die Schusterwerkstatt
Hunderte von Schuhen zu reparieren, ja wer konnte sich denn zu dieser Zeit
einen neuen Schuh leisten. Mitten in der Werkstatt befand sich immer ein
riesengroßer Berg Schuhe, der fast nicht bewältigt werden konnte. Da gab
es öfters mal Geschimpfe von den Leuten, weil sie so lange warten mussten.
Der Meister sagte den anderen, was gemacht werden musste. Da bekam man
gleich mal 6 bis 8 Schuhe zur Bearbeitung vor sich gelegt. Es wurden die
alten kaputte Sohlen oder Absätze abgerissen, für diese fertigten wir dann
die Modelle an und die hat dann der Meister aus den großen Lederstücken
rausgeschnitten. Zur damaligen Zeit waren Ledersohlen der meist
eingesetzte Rohstoff. Früher wurde bei den Reparaturen alles mit
Kreuznägeln genagelt. Während des 2. Weltkrieges kamen dann die ersten
Gummisohlen auf, die Anfang der Sechziger Jahre durch Purokreppsohlen
ersetzt wurden und die hielten gegenüber den anderen sehr lange. Dieses
Material ersetzte man dann später durch vorgefertigte und angegossene
Gummisohlen. Für die Reparatur dieser Sohlen kam dann das Klebverfahren
auf und so ist es noch bis heute. Die Arbeit in der Schusterwerkstatt ließ
dadurch systematisch nach und so verschwand so nach und nach dieses schöne
Handwerk. Hinzu kam ja auch, dass es ab etwa Mitte - Ende der Fünfziger
Jahre genügend Schuhe im Konsum und auch später in der HO zu kaufen gab.
Da war die Maßanfertigung beim Schuster nicht mehr gefragt, denn die
massenangefertigte Schuhe waren billiger. 1942 verstarb der Großvater
Hermann Hofmann und der Betrieb wurde auf
„ Gebrüder Hofmann „ umbenannt. Der letzte Schuhmachermeister in Nöbdenitz
war Rudolf Hofmann, Sohn von Schuhmachermeister Alfred Hofmann. Er betrieb
die Schusterwerkstatt bis ins Jahr 1992, bis zu seinem Siebzigsten
Lebensjahr.
Marlis
Geidner-Girod
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