Schulgeschichte des Dorfes Nöbdenitz

1545 schrieb der Pfarrer Buckelwutz in die Kirchenchronik, das es in Nöbdenitz an einem Kirchner mangelte, deshalb baten die Einwohner um eine finanzielle Zulage für den Kirchendiener, damit er diesen Schuldienst verrichten könnte.
Das erste Schulhaus muss zwischen 1560 bis 1570 erbaut worden sein. Der damaligen Pfarrer Sattler war der erste Lehrer dieser Schule. Ungern trat er diesen Dienst an und das auch nur unter der Bedingung, dass er als Schuldiener und auch seine späteren Amtsnachfolger eine bessere Besoldung bekämen, in dem man ihm von den Pfarrgrundstücken 3 Scheffel Feld, eine Wiese mit Holzrand, sowie die Grasnutzung um großen Pfarrholze und auf den Pfarrfeldrainen zur persönlichen Nutzung abgebe.
Das bei der Kirche sehr nahe liegende Schulhaus wurde das Kirchhaus genannt und der Lehrer hieß damals Kirchner. Die dazu gehörige Schulwohnung wurde 1760 erbaut ( damals besuchten 62 Kinder, und zwar 36 Knaben und 26 Mädchen die Schule ), die damalige Schulstube wurde 1833 renoviert und das Schulhaus überhaupt erfuhr 1856 eine größere Reparatur. In dieser Schule wurden die Schüler bis 1903 unterrichtet.

Folgende Lehrer aus der damaligen Zeit in Nöbdenitz seien genannt:

1582   Andreas Müller
1588   Hans Franke
1617   Thomas Ruprecht
           Christian Rösser scheint in der Nöbdenitzer Schule nur kurze                               Zeit gedient zu haben.
1625   David Raute
1629   Gottlieb Biedermann Christian Nitsche
1712   Johannes Friedrich Streicher
1713   Johannes Gottfried Müller
1749   Johannes Gottfried Braunschweig
1772   Gottlieb Andreas Klingler
1781   Gottlob Friedemann Schmidt
1816   Johann Gottlieb Örtel
1819   Johann Georg Girbert
1824   Heinrich Friedrich Wilhelm Veyer
1847   Carl Friedrich Hermann Scheuerlein

Die Rittergutsfamilie Thümmel sponserten der Schule jährlich
150,00 Mark. Von deren Zinsen wurden den Kinder der 1. Klasse  jedes Jahr die Schreibbücher bezahlt, welche am 1. Schultag überreicht wurden.
1882 betrug das Vermächtnis der Familie Gottfried Mehlhorn vom Bauerngute auf dem Raudenitzer Berg in Nöbdenitz 300,00 Mark, von deren Zinsen arme und fleißige Schulkinder Bücher erhielten.
1883 ergab die Stiftung von Pastor Petzold 100,00 Mark, welche für die Schul-Lese-Kasse genutzt wurden.
Seit 1879 gab es eine vom Pfarrer unterhaltene Volksbibliothek und auch im selben Jahr wurde ein gemischter Chor gegründet, welcher den weltlichen und kirchlichen Gesang pflegte.

1903 errichtete Baumeister Friedrich aus Großstechau in Nöbdenitz auf dem damaligen Pfaffenberg eine neue Schule. Sie bestand aus nur zwei Unterrichtsräumen. Von der ersten bis zur vierten Klasse wurde in einem Raum unterrichtet. Die Kinder schrieben damals auf einer Schiefertafel, die Schulbücher wurden von der Schule gestellt. Gern erinnert man sich jetzt noch an den damaligen Schuldirektor Oberlehrer Schnabel. Er war ein guter aber auch ein sehr strenger Lehrer. Frau Teilig unterrichtete in den dreißiger Jahren Sport und Handarbeit. Lehrer Funke sprang ab und zu als Direktor ein oder er arbeitete ebenfalls als Sportlehrer. Lehrer Kämpfer unterrichtete die Kinder in Zeichnen und Geschichte. Für die Fächer Rechnen und Raumlehre war Lehrer Schubert zuständig. Im 2. Weltkrieg mussten sich die Kinder durch den Kriegsdienst oft an neue Lehrer gewöhnen. In dieser Zeit fiel sehr oft der Unterricht aus, was die Kinder natürlich freute. Schulbeginn war damals nicht im September sondern zu Ostern. In der Sommerzeit begann der Unterricht schon 7.00 Uhr und endete 12.00 Uhr. Im Winter verschob er sich um eine Stunde, also von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr. Eine Unterrichtsstunde betrug damals 60 Minuten. Nach der Schule gingen einige der Kinder arbeiten, wie die Mädchen z. B. als Haushaltsgehilfe oder als Kindermädchen für eine besser betuchte Familie. Ja und wenn man dann spät nach Hause kam, war das mit den Hausaufgaben gar nicht so einfach. Denn abends durfte man nicht so lange aufbleiben, weil an Strom oder Öl gesparrt werden musste. Da hieß es oft „ Kind mach schnell die Hausaufgaben, damit nicht zu viel Öl verbrennt! „  Die Schule der Nachkriegszeit gestaltete sich sehr schwierig. Viele Lehrer durften wegen ihrer Vergangenheit in der späteren DDR nicht mehr unterrichten. Deshalb wurden Personen aus anderen Berufen in kurzen Unterweisungen zu Neulehrern ausgebildet. Da es nach dem Krieg sehr viele schulpflichtige Kinder gab und die alte Schule nicht ausreichte, wurde die Villa Stör zur Waldschule umfunktioniert. In dieser Schule arbeitete sogar eine Hausmeisterin, die eigens für die Schulspeisung ein Hausschwein hielt. Damals erhielt jedes Kind zur Verpflegung kostenlos 1 Brötchen, auch Schulbezugsscheine wurden verteilt.
Da die alten Räumlichkeiten der Waldschule nicht mehr ausreichten wurde 1960 begann man mit den Bau einer neuen modernen Schule am Waldrand. Dabei halfen viele Schüler, Lehrer und Dorfbewohner tatkräftig mit. Nach etlichen Behördengängen und zwei Jahren Bauzeit konnte die neue Schule am 1. September 1962 mit einem großen Appell auf dem Pausenhof eingeweiht werden. Diese Schule nannte man Polytechnische Oberschule „ Ernst Schneller „ . Diese Schule bekam moderne Fachräume für Chemie, Physik, Musik, Geographie, Mathematik. Außerdem erhielt sie eine Turnhalle mit Umkleideräumen für Mädchen und Jungen sowie einen Raum für den Sportlehrer.
Weiterhin wurde an ein Pionierzimmer gedacht und an einen Hortraum. Die Lehrer und der Direktor bekamen jeweils ein eigenes Zimmer. Es wurde an einen Schulgarten gedacht und wichtig für die Schule war auch die Sportanlage mit Sprintbahn, einer Bahn für Weitsprung, einen Platz für Kugelstoßen und einen Platz für diverse Ballspiele.
Vor der Schule wurde ein großer Pausenhof errichtet. Sogar  an die Fahrradfahrer wurde gedacht, man brachte auf dem Hof überdachte Fahrradständer an. Neben die Schule wurde ein kleineres Gebäude mit einer Hausmeisterwohnung und mit einem Raum für den Werkunterricht gebaut.  Die alte Schule wurde als Essensküche umfunktioniert. Bis 1962 wurde dort selbst gekocht, danach übernahm  Agrarküche die Schulspeisung. 1959 begann man mit dem Bau der heutigen Schule. Am 1. September 1962 wurde die Nöbdenitzer Schule feierlich eingeweiht.

Marlis Geidner-Girod