Klimawandel - Ausschnitte aus der Chronik Nöbdenitz
 von Marlis Geidner - Girod

In der letzten Zeit hören, lesen oder sehen wir viel über den Klimawandel unserer Erde und man macht sich so seine Gedanken. Natürlich muss was getan werde, muss die Umwelt mehr geschont werden! Aber wie war früher das Wetter, gab es da auch schon so oft Stürme, Hitze, Überschwemmungen? Darauf hin durchforschte ich die vorhandene Nöbdenitzer Chronik und sammelte alle Berichte über die Natur- und Ernteergebnisse der damaligen Jahre. Als erster  schrieb  Pfarrer Günter über das Wetter in die Chronik. Der Verlauf des Wetters war damals sehr wichtig, lebte man doch auf dem Dorf doch hauptsächlich von den Erträgen seiner eigenen Ernte. Jeder Apfel, jede Kirsche, Pflaume oder Birne waren Luxus, jede Kartoffel oder Rübe überlebenswichtig. Dieser Bericht dürfte vor allem die heutigen Landwirte und Hobbygärtner interessieren.
1922 war die erste Hälfte des Jahres mehr trocken als nass , die zweite Jahreshälfte eher kühl und feucht. Der Januar war sehr kalt, der Juni dafür sehr trocken. Anfang Juli setzte stärkerer Landregen ein, die den Beginn der Ernte verzögerten. Von Mitte Juli ab war es nass und kühl, der August, September und Oktober reich an Niederschlägen. Der Winter war verhältnismäßig mild. 1923 war das Wetter ab Ende März feucht und kühl, dadurch kamen die Saaten nicht recht vorwärts. Erst der Juli brachte die nötige Wärme. Die Ernte ging gut und schnell von statten. Von August bis September war es warm und trocken, auch der Oktober wa noch relativ warm, so dass die Herbstbestellungsarbeiten und die Hackfruchternte glatt von statten ging. Mitte Dezember setzten der Frost und Schneefälle ein, bis zum Jahresende war es kalt. 1924/1925  war der Winter im ganzen so gut wie schneefrei und ohne anhaltendes Frostwetter. Der März und der April brachten winterliches Wetter, Ende April trat dann wärmeres Wetter auf, auch der Mai war warm und im letzten Drittel recht trocken. Die erste Hälfte des Juni war sehr trocken, erst Mitte Juni stellten sich Niederschläge ein. Anfang August war das Wetter oft warm aber gegen Ende des Monats kam  Regen und Abkühlung. Im September herrschte kaltes und unfreundliches Wetter, welches sich den ganzen Herbst durch fort setzte. Schon im November setzte starke Kälte mit Schnee ein. Kurz vor Weihnachten schlug aber das Wetter um, so dass zum Feste kein Schnee lag. 1926 war das Flutjahr. Verschiedene Gegenden wurden von Hochwasserkatastrophen heimgesucht, welche einen unermesslichen Schaden verursachten und einen großen Teil der Ernte vernichteten. Unsere Gegend war auch sehr davon betroffen, wie in der OTZ schon berichtet. 1927 war nach einem eher kalten und trockenen Mai der Juni hoch an Niederschlägen. Im Juli traten heftige Gewitter auf, deren Niederschläge wolkenbruchartige Formen annahmen. Im Dezember herrschten Frost und stetig sinkende Temperaturen. 1928  Anfang Januar war es kalt, am Ende des Monats folgte eine milde Witterung, die sich bis zum Februar fortsetzte. Ende März hielt eine frühlingsmäßige Witterung ihren Einzug. April und Mai waren unfreundlich. Vom 21. Juni an trat ein anhaltender Temperaturaufstieg ein, der die sommerliche Witterung brachte. Der Sommer war im allgemeinen recht trocken. Die Folge davon war Futtermangel.  Nach einem günstigen Herbstwetter war im Dezember starker Frost eingetreten, der aber bei guter Schneedecke den Wintersaaten keinen Schaden gebracht hatte und zu Weihnachten von Tauwetter abgelöst wurde. 1929  Der Januar, Februar und Anfang März standen im Zeichen strenger Winterkälte, die Temperatur sank zeitweise bis zu - 30 °C. An milderen Tagen setzte Schneefall ein. Stark litten unter dem Frost die Tiere und wie unter dem Wildbestand richtete es großen Schaden unter den Obstbäumen an. Besonders viele Kirschbäume erfroren, so dass im Pfarrgarten nur noch sehr wenige übrig geblieben sind. Da die Schneemassen nur langsam auftauten, traten die befürchteten Überschwemmungsgefahren nicht ein. So kalt der Winter gewesen war, so heiß und trocken war der Sommer. Das Obst war nur klein und fiel vielfach vor der Reife ab. Auch im September setzte sich die Trockenheit fort, bis das letzte Drittel des Monats endlich stärkere Niederschläge brachte. Die Kartoffelerträge blieben hinter dem normalen zurück. 1930 Nach einem milden Winter folgte im März frühlingsartiges Wetter, das eine zeitige Bestellung erlaubte. Veränderliche Witterung im Mai, der Juni war trocken, die Heuernte verlief günstig , der Ertrag war gut. 1931 Der erste Monat im Jahr der einen winterlichen Charakter aufwies, war der Februar, durchaus winterlich war auch der März. Den Mai zeichnete starke Trockenheit aus. Die Witterung im Juni war für die Landwirtschaft im allgemeinen sehr günstig, im Juli schlug das Wetter um und es folgten kühle, sogar kalte, regnerische Tage. Die letzte Woche des Juli brachte wieder warmes, wenn auch unbeständiges Wetter. Anfang August war für die Getreideernte günstig, aber ständige Niederschläge hinderten die Grummeternte stark. Die nasskühle Witterung des August setzte sich im September fort und erschwerte die Hackfruchternte. Getreideernte so wie auch die Kartoffelernte waren gut.1932  Im Januar war allgemein mildes Wetter, Anfang und Mitte Februar fiel Schnee. Winterliche Witterung mit starken Temperaturschwankungen brachte der März. Der April war im Ganzen kalt. So zeigte der Mai  wieder stark veränderlichen Witterungscharakter. Der Juni war trocken. Die Heuernte ging flott von statten und war über den Durchschnitt gut. Das feuchte Wetter des Juli setzte sich bis 10. August fort. Dann begann es plötzlich heiß zu werden bis + 30 Grad und mehr. Eine schnelle Reife aller Getreidearten setzte ein. 1933  Der Mai war kühl und trocken. In den ersten zwei Monatsdritteln des Juni setzte sich die trockene Witterung fort. Am Monatsende fielen bei mäßiger Wärme sehr starke Niederschläge. Die Heuernte war mangelhaft, erst im Juli trat eine ausgesprochen sommerliche Witterung ein. Der August war warm und trocken, sowie auch der September und Oktober. Es gab eine große Mäuseplage. 1934 gab es eine große Trockenheit und Futterknappheit. Es gab wenig Stroh, die Körnerqualität war ausgezeichnet und die Kartoffelernte war befriedigend. Geringe Rübenernte. Das Jahr 1934 wird den Bauern als Notjahr in Erinnerung bleiben. 1935 Nach dem schlechten Erntejahr folgte ein besseres, zum Teil sogar ein sehr gutes Jahr. Im Frühjahr herrschten Hitze und Trockenheit, dazu kamen starke Nachtfröste, aber im Spätfrühjahr setzten warme Regenfälle ein, so dass eine Rekordheuernte folgte. Das Obstjahr war schlecht. Der Winter 1936 war im allgemeinen mild. Im April herrschte meistens trübes und regnerisches Wetter. Der Mai war kühl und feucht. Der Monat Juni beschwerte anfangs durch die regnerischen Tage die Heuernte, aber in der 2. Hälfte sommerliches Wetter mit häufiger Gewitterbildung, Anfang Juli traten wieder Niederschläge auf. 1936 /1937 Auch durch die Mäuseplage im Herbst und Winter, die größte seit vielen Jahren in ganz Mitteldeutschland,  hatten die Saaten gelitten. Im Februar ließ die Mäuseplage in Folge der nassen Witterung endlich nach. Der Monat März brachte häufige Niederschläge, der April war trübe und kühl. Gegen Ende des Monats setzten warme und trockene Tage ein. Der Monat Mai brachte denkbar günstige Witterung, anfangs war es kühl und nass, später sehr sonnig und warm, verbunden mit Regenfällen, so dass sich die Kulturpflanzen außerordentlich günstig gut entwickelten. Der Juli war meistens trübe, regnerische Luft. Im Oktober schönes und warmes Wetter. Im November unfreundliche Witterung. Die Wintersaaten standen ausgezeichnet. Mitte Dezember setzten starke Schneefälle ein. Die weihnachtliche Winterlandschaft wurde aber kurz vor dem Weihnachtsfest durch plötzlich eintretendes Tauwetter gestört. Ende des Monats wieder leichte Schneedecke. 1939  Der Januar brachte eine für die Jahreszeit zu milde Witterung, die bis zum März anhielt. Es gab Tage von + 14 °C. Nach der ersten Märzwoche setzte Kälte mit starken Schneefällen ein. Mitte März  besserte sich das Wetter, blieb aber wechselhaft. Der Mai war kühl und sehr niederschlagsreich, ebenso der Juni. Die Sommersaaten litten unter Nässe und verunkrauteten stark. Die Heuernte konnte nur sehr langsam vorwärts kommen und die Getreideernte war in folge schwerer Unwetter im Juni wohl die schlimmste Lagerernte, die der Altenburger Bauern bei drückenden Arbeitermangel je bewältigen musste. Oktober und November setzte sich die nahezu ununterbrochenen Schlechtwetterperiode der Vormonate fort. Im Dezember herrschte im ersten Drittel trübes nasses Wetter, am 8. bis 12. Schneefall und starker Frost, der bis Ende des Jahres anhielt. Nach dem Sachsen - Altenburger -  Geschichts- und Hauskalender 1941 ist das Kriegsjahr 1939 eines der schwersten Jahre gewesen, das die Ostthüringer Landwirtschaft seit Menschengedenken durchgemacht hat und das durch die zusätzlich auftretenden Belastungen, durch die Kriegsbeordnung, von Menschen und Pferden ungeahnte Schwierigkeiten gebracht hat. 1940 Im Januar gab es einen großen Kälteeinbruch. Die Temperaturen sanken am 11. Januar auf - 29 °C . Es gab starker Schneefall mit Verwehungen. Am 6. Februar trat Tauwetter mit leichtem Sprühregen ein. Am 8. Februar war es + 4 °C warm, gegen Mittag stieg die Temperatur auf + 9 °C. Am 9. Februar wieder - 7 °C Kälte, am 10. Februar - 15 °C Am 15. Februar Neuschnee mit starken Verwehungen auf den Landstraßen. Seit 20. Februar Kälterückgang. Nachts zwischen 24. und 25. Februar führte die Sprotte Hochwasser. Seit 7. Dezember 1939 lag ununterbrochen Schnee von ziemlicher Höhe, der durch das am 27. Februar einsetzende Tauwetter fast ganz weg schmolz. Auch der Monat März brachte noch kein gutes Wetter. Es herrschte ein fast ununterbrochener Wechsel  von Schneetreiben, Frost und zeitweisen Temperaturanstieg, der aber schon bald wieder in Frost umschlug. Erst Mitte April setzte wärmere Witterung ein. Nach vorwiegend aufkommender warmer Witterung im Mai und Juni war der Monat Juli verregnet. Der Juli ist der zweit regenreichste Juli in den letzten 40 Jahren (Hauskalender 1941). Trüb und regnerisch auch der August und der September. Der Obstbehang war sehr gering, da die Obstbäume durch den langen kalten Winter sehr gelitten hatten und viel erfroren sind. 1947 Auf den ungewöhnlich kalten Winter folgte ein ungewöhnlich trockener und zeitweilig sehr heißer Sommer. Die Dürre war Besorgnis  erregend, alles vertrocknetes Kraut, Gemüse.  Heuernte und Hackfruchternte waren schlecht. Es gab großen Futtermangel ! Infolge der anhaltenden Dürre war auch die Kartoffelernte sehr gering, deshalb herrschte im Winter und Frühjahr 1948 daran ein großer Mangel. Durch die überaus starke, von 1946 bis Mitte März 1947 mit nur ganz kurzen Unterbrechungen anhaltende Kälte machte den Kohlemangel empfindlich. In folge dessen wurde im Pfarrwald Nöbdenitz  wie auch im Pfarrwald Lohma-Selka sehr viel Holz geschlagen. Die Stromsperre bracht viele Unannehmlichkeiten, man behalf sich mit Bohnerwachs und Lichtern. 1948 Ein sehr milder Winter lies in diesem Jahr zuerst befürchten, dass die Ernte nicht so erträglich ausfallen würde, wie im Vorjahr. Aber zur rechten Zeit stellte sich der ersehnte Regen ein und die Gärten, Wiesen und Felder waren so fruchtbar, wie nur selten. Bei herrlichem Erntewetter wurde der Roggen wohlbehalten und unversehrt geborgen. Die Getreideernte war gut und der Hafer lies zu wünschen übrig. Besonders reich war die Kartoffelernte, die Heu- und Futterernte zufrieden stellend. So schön die Gemüseernte war, so gering war teilweise die Obsternte. Im Pfarrgarten gab es nur mäßig Kirchen, sehr wenig Äpfel aber ziemlich viel Pflaumen. Nach einem schönem Herbst, setzte ein milder Winter ein, der nur wenig Schnee brachte.1951 Auf einen normalen Winter folgte ein kühler aber fruchtbarer Frühling und Sommer. Die erste Septemberhälfte war sehr heiß. Die Heu- und Getreideernte, Obst- und Gartenernte waren gut, während die Kartoffelernte infolge der Trockenheit im Spätsommer nur mittelmäßig, jedenfalls nicht so wenig wie im Vorjahr war. 1952 Der Sommer war sehr trocken, der Herbst aber überaus regnerisch. Der Winter setzte dabei zu früh ein. Die Getreideernte war in Folge der Trockenheit im Sommer unter Durchschnitt. Noch schlechter war die Kartoffelernte. Vor allem machte die Einbringung der Kartoffeln und Rüben in Folge der Nässe große Schwierigkeiten. Der frühe Einbruch des Winters führte dazu, dass die meisten Bauern mit der Herbstbestellung nicht fertig wurden. 1954 Der Sommer war sehr ungewöhnlich kühl und regenreich. Am 10. Juli 1954 (Sonnabend), wurde unsere Gegend von einem großen Sprottenhochwasser in Folge eines Wolkenbruchs heimgesucht. In Posterstein war es nicht so schlimm, in Nöbdenitz und Lohma schlimmer als 1926. Besonders in Lohma wurden in den Gärten große Verwüstung angerichtet. In Nöbdenitz musste das Gehöft von W. Herzog geräumt werden. Auch in anderen Teilen  Deutschlands, besonders an der Donau kam es zu Hochwasserkatastrophen.
1955 Der Sommer war noch regenreicher als der vorhergehende. Die  Einbringung der Ernte war daher schwierig und zog sich lange hin. Die Kartoffelernte war sehr schlecht. 1956 Das Jahr brachte den dritten nassen und kühlen Sommer. Doch war die Ernte gut, die Kartoffelernte sogar recht gut. Der Februar war nach einem milden Januar bitterkalt. 1957  Abgesehen von 3 sehr heißen Wochen Ende Juni bis Anfang Juli, war das Jahr wieder kühl und nass. Der Winter war mild, die Ernte (sowohl  Getreide wie Kartoffeln ) war gut. 1958 hielten Frost und Schnee bis Anfang April an, ohne dass es jedoch sehr kalt war. Nach vielen Jahren hatten wir endlich einen warmen Sommer, vor allem im August. Die Ernte war gut.