Bau der Autobahn und der Sprottentalbrücke zwischen Posterstein und Nöbdenitz 1935 - 1937 
geschrieben von Marlis Geidner - Girod

Vor fast 70 Jahren, am  27. Dezember 1937, weihte man auf hiesiger Flur die Reichsautobahn und die zwischen Posterstein und Nöbdenitz entstandene neue Autobahnbrücke ein.  Zeitzeugen aus Nöbdenitz, Lohma, Posterstein und Vollmershain, Nachfahren der Rittergutsbesitzer aus Nöbdenitz und Posterstein, sowie Auszüge aus der Nöbdenitzer Chronik können folgendes aus dieser Zeit berichten:
Damals erzählte man sich, das die Autobahn eigentlich ganz anders verlaufen sollte. Geplant war die Strecke zwischen Posterstein und Mennsdorf in Richtung Jonaswalde - Thonhausen. Weil diese aber die Flur des Postersteiner Rittergutsbesitzer Hermann durchschnitten hätte, wehrte sich dieser entschieden dagegen. Durch seine harte Haltung und seinen damals großen Einfluss auf das ganze Geschehen, soll er es geschafft haben, dass dieser Autobahnabschnitt eine andere Führung bekam. Das gefiel wiederum dem Nöbdenitzer Rittergutsbesitzer Ernst von Thümmel nicht. Wahrscheinlich waren seine Beziehungen nicht so gut wie die des Herrn Hermann. Im Frühjahr 1935 war es dann soweit und man begann mit der Vermessung der Autobahn. Aus Frust darüber ging Ernst von Thümmel oft des Abends hinaus, um die Vermessungsstäbe wieder aus ihren Löchern zu ziehen. Natürlich ohne Erfolg, denn  Anfang Oktober 1935 begann man auf Reizhainer Flur mit dem Bau der Reichsautobahn. Weil diese den Pfarrwald durchschnitt, musste er zu einem großen Teil geschlagen werden. Die Jahre 1936 - 1937 waren durch den Bau der Reichsautobahn und der Sprottentalbrücke für die Nöbdenitzer außerordentlich verkehrsreich. Es sollen über 1500 Arbeiter aus ganz Deutschland in hiesiger Flur beschäftigt gewesen sein. Viele Bauarbeiter haben sich während dieser Zeit in Posterstein, Nöbdenitz, Vollmershain und Lohma einquartiert. Höhere Angestellte brachten sogar ihre Frau mit. Auch Männer aus unserer Gegend fanden durch dieses riesige Bauprojekt Arbeit. Elfriede Bertel aus Nöbdenitz kann sich noch an einen Arbeiter erinnern, der jeden Tag - bei Wind und bei Wetter - zu Fuß (!) von Altenburg bis zu seinem Arbeitsplatz lief!
Viele Bauern aus unseren Dörfern konnten ihr Einkommen durch den Autobahnbau aufbessern. So stellten sie ihre Schuppen oder Scheunen für die Lagerung des Baumaterials zur Verfügung oder sie transportierten Wasser, Zement oder andere Materialien mit dem Pferdewagen zur Autobahnbaustelle. Rudolf Jacob aus Nöbdenitz lernte damals bei einem Bauern in Stolzenberg. Er musste mit dem Pferdegespann Wasser zur Baustelle transportieren. Dieses wurde in Beerwalde in einen großen Behälter gefüllt und danach bei Raitzhain auf die Straßenbaustelle gefahren. Am Ende der Bauzeit ackerte er mit Pferd und Pflug den grünen Streifen in der Mitte der Reichsautobahn. Die Straßenbauarbeiter und Brückenbauer hatten es damals bedeutend schwerer mit ihrer Arbeit. Es gab damals kaum Technik, fast alles arbeitete man mit der Hand und die Baustoffe transportierte man mit der Schubkarre. Für das Vortrocknen der frisch gemachten Betonstraße wurde ein riesiges Zelt, ca. 30 Meter  x 80 Meter, über den jeweiligen Straßenabschnitt gespannt. Dadurch konnten eventuelle Schäden durch Regenwasser vermieden werden. War der betroffene Straßenteil getrocknet, baute man das Zelt wieder ab und es wanderte ( rollte ) über den nächsten frisch gebauten Abschnitt. Bohrten die Regentropfen trotzdem einmal kleine Löcher in den Beton, besserten die Handwerker diese wieder fein säuberlich aus.

Die Feldbahn

Der Transport des Baumaterials für den Autobahnbau und des Brückenbaus verlief damals überwiegend über die Bahn. Dabei galt der Nöbdenitzer Bahnhof als Ausladebahnhof. Um das Baumaterial aber bis zu seinem Bestimmungsort transportieren zu können, musste man bis dort hin Schienen für eine Kleinbahn ( Feldbahn ) legen. Diese Bahnlinien verliefen wie ein Spinnennetz von Nöbdenitz bis Posterstein und Vollmershain. Sie führten in Nöbdenitz an der normalen Bahnlinie entlang bis unterhalb des Raiffeisenlager`s. Dann weiter durch die dahinter liegenden Bahnbrücke über die Lößig und von dort aus bis zum Bauernhof Oehler, der dem Nöbdenitzer Gasthof gegenüber lag. Diese führten dorthin, weil im Schuppen des Bauernhofes sowie in der damaligen Kegelbahn am Gasthof Baumaterial für den Reichsautobahn - und Brückenbau lagerte. Auf der Gartenwiese des Bauernhofes befand sich ein großes Wasserbassin, welches vom Lößig gespeist wurde. Mit dem Pferdewagen und einem voll gefüllten 600 Liter -  Wasserfass,  ( das Wasser wurde damals noch mit der Hand eingepumpt ), fuhr der Bauer das Wasser nach Posterstein zum Bahnwärterhäuschen. Hinter diesem befand sich in der Nähe der Autobahn ein Lagerplatz mit riesigen Wasserbottichen.  Diese bestückten die Bauern mit dem mitgebrachten Wasser. Man transportierte aber nicht nur Wasser, sondern auch kleinere Mengen von Baumaterial, wie z. B. Bauer Oehler die Verkehrsschilder, welche der Dorfmaler Schenk aus Nöbdenitz für die Autobahngesellschaft malen durfte. Weiter fuhr die Feldbahn oberhalb der Nöbdenitzer Gärtnerei vorbei. Dort befand sich ein Material- und Betonlager. Am Ende des Dorfes - Richtung Posterstein gab es zu dieser Zeit in Nöbdenitz noch ein kleines Bahnwärterhäuschen. Von dort aus führte die Kleinbahnlinie zur Postersteiner Straße hinunter und dann an dieser Straße entlang Richtung  Baustelle „Sprottentalbrücke „. Eine weitere Bahnlinie verlief bis zur Rothenmühle nach Vollmershain und von dem Postersteiner Bahnwärterhäuschen bis unter die Autobahnbrücke zur Reichsautobahn. Weil die Kleinbahn ab und zu die Sprotte überqueren musste, baute man über diese kleine Holzbrücken. Zwischen der Sprottenunterführung und der Rothenmühle, links liegend, im genannten Zittergrund ( früher standen dort viele Pappeln, deshalb der Name ), stellte die Autobahngesellschaft ein richtiges Barackendorf hin. Dieses bestand aus einer großen Kantine und aus mehreren Baubaracken, welche man nicht nur für die Lagerung des Baumaterials nutzte, sondern auch als Schlafstätte für die Bauarbeiter, die in den Dörfern keine Unterkunft mehr bekommen hatten. Weiter ging der Verlauf der Feldbahn in Richtung Vollmershain, immer links an der Sprotte entlang, an der Rothenmühle vorbei. In Vollmershain angekommen, führte die Bahnlinie an der Untermühle entlang bis zum Hof vom Schwarze Günter. Auf dessen Wiese befand sich ein kleiner Bahnhof ( eine kleine Bretterbude ), eine so genannte Ausweichstelle. Dort bediente ein Mann das Telefon und die Weiche. Wegen des laufenden Gegenverkehrs war das auch notwendig, es fuhren ja gleich mehere Feldbahnen. Die Kleinbahnstrecke führte in Vollmershain weiter am damaligen Hof vom Schneider Erich vorbei bis hinauf zur Autobahnbaustelle . Die Züge zogen Kipp - Loren, die zum größten Teil mit Zement oder Sand beladen waren. Und wie es damals halt so war,  wenn da mal einer was brauchte, fiel ab und zu ( natürlich ausversehen ) ein Sack Zement oder Sand aus der Lore. Die Lok zog so ca. sechs bis sieben Loren. Fuhr die Bahn in Vollmershain den Berg zur Autobahnbaustelle rauf, musste diese von einer zweiten Lok geschoben werden. Helmut Gerth aus Vollmershain kann sich noch gut daran erinnern, dass die Nöbdenitzer Straße in Vollmershain viel höher lag. Sie war so hoch, wie jetzt die Autobahn liegt ( siehe Autobahnbrücke Vollmershain ) und wie die Felder, welche sich rechts und links neben dieser Straße befinden. Die Fahrbahn ist tief ausgebaggert worden und die dadurch anfallende Erde fuhr man in die Nähe der Rothenmühle vor der Autobahnbrücke. Der riesige Damm dort, besteht aus dieser Vollmershainer Erde.
Lothar Dinger aus Posterstein weiß zu berichten, das die Träger der Sprottentalbrücke mit der Bahn aus Dortmund geliefert worden. Man transportierte diese erst nach Gera auf den Hauptgüterbahnhof. Dort gab es eine große Drehscheibe, die die Loren mit den Trägern drehte. Danach fuhr die Bahn im Rückwärtsgang die Ladung von Gera zu ihren Bestimmungsort - zum Brückenbau nach Posterstein. Eine Kranbrücke hob die Trägerteile zur Behelfsbrücke und von dort aus schweißten die Arbeiter die Teile zusammen.

1945 Sprottentalbrücke sollte gesprengt werden

Harald Bertel aus Lohma, von 1958 bis 1985 als LKW - Fahrer für den Winterdienst dieser Autobahn zuständig, erfuhr durch seinen damaligen Kollegen Willi Rohn aus Posterstein folgendes: Willi Rohn arbeitete ebenfalls bei diesem Autobahn- und Brückenbau. Im Winter beräumte man den Schnee am Sprottenberg nur mit einer Schaufel und einer Schubkarre. Als man 1937 in die Autobahnbrücke vorsorglich Sprenglöcher einbaute, war er auch mit anwesend. Die Löcher errichtete man so, dass sie jederzeit mit Sprengstoff gefüllt werden konnten. Diese verschloss man dann mit einen Stein und kennzeichnete sie mit dem Buchstaben „ U „. Nach dem Krieg meißelte man diese Zeichen wieder heraus. Am 13. April 1945 - der Tag, an dem die Amerikaner nach Nöbdenitz kamen, wollte in letzter Minute ein deutscher Sprengtrupp die Sprottentalbrücke sprengen. Willi Rohn, damals Straßenmeister dieser Brücke, hat es aber zu verhindern gewusst. Er diskutierte mit dem Hauptmann des Trupps und legte ihm dabei den Werdegang und den aufwendigen Bau dieser Brücke ans Herz. Dieser hat sich dann durch seine Worte erweichen lassen. Es war kurz vor zwölf, der Krieg war so gut wie zu Ende - die Autobahnbrücke war gerettet.  
 

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